... oder Stöckli

Das Weierhuusstöckli ist natürlich kein Stöckli, sondern mit seinen 8 x 10 m Grundriss ein Stock. A. Vischer hat es 1959 in seinem dem Buch das „Bernische Stöckli“ wie folgt beschrieben:

„Der Stock ist etwas weit vom Haus entfernt, etwa 100 Meter. Onkel und Tante des jetzigen Bauern liessen ihn bauen. Ihr Heimwesen war etwas abseits gelegen, und sie wollten gerne an der Strasse sein, um etwas Abwechslung zu haben. Sie verkauften das Heimet. Da sie kinderlos waren, vermachten sie das Stöckli dem ledigen Bruder und der ledigen Schwester des Weierhusbauern. Der Bruder half viel auf dem Hof, ass auch dort und starb letztes Jahr im Stöckli. Die Schwester war Krankenschwester in Basel und freute sich, im Alter ins Stöckli zu ziehen. Sie nahm eine pflegebedürftige Freundin zu sich. Ob der Bauer und seine Frau je in den Stock ziehen, ist unsicher. Die Frau bedauert die grosse Distanz, sonst hätte man’s leichter, sich schnell etwas zu helfen, besonders wenn eines krank sein sollte. Ihr Mann ist herzleidend, und obwohl der Junge fähig wäre, den Hof allein zu führen, will er sich noch nicht zurückziehen. Das Verhältnis Schwiegermutter – Schwiegertochter ist hier ein vorbildlich schönes. Das Haus hat viel Platz, ist gut eingerichtet und hat eine moderne Küche“.

Hier und jetzt

Heute, mehr als 50 Jahre später wohnen an dieser Adresse, der Sägegasse 81, seit Februar 2016 Monika Bieri und Simon Jordi. Simon konnte den Stock von seiner Grossmutter Rosa Glauser – Fankhauser übernehmen und hat zusammen mit seiner Lebenspartnerin ein Abenteuer gewagt, das im Jahr 1905 erbaute Haus, gründlich zu renovieren, und für die neue Generation bereit zu machen.

Wir finden dies ist eine bemerkenswerte Tat. Es braucht nicht nur Mut ein solches Projekt anzupacken. Man muss auch bereit sein, sich mit den Begebenheiten einer ländlichen Gesellschaft einzulassen. Bemerkenswert ist das Ganze auch, weil so der Weierhausstock das Dorfbild Trub ungemein bereichert hat. Etwas trotzig steht er an der Kreuzung Mühlestrasse und Sägegasse und präsentiert seine stolze Front allen, die ins Fankhaus weiterfahren wollen.

Im Gespräch wird schnell klar, warum das ein logischer Schritt war, sind doch beide in ländlichen Gebieten aufgewachsen, Simon in Bleiken und Monika nur einen Steinwurf von der Trubergrenze im Schärlig. Simon arbeitet bei der Raiffeisen als Kundenberater und Monika unterrichtet die erste Klasse in Luzern.

Nur so in den Schoss gefallen ist ihnen das Haus aber nicht. Die Planung war die grösste Herausforderung, vor allem die Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz. Daraus resultierten etliche Versionen von Zeichnungen und unzählige Gespräche und Bittgänge nach Bern. Schon hatte man beinahe aufgegeben und sich für eine andere Wohnlösung umgesehen, als die Gemeindebehörden sich entschlossen dem Druck der Vergangenheitshüter nicht nachzugeben und trotz deren Einsprache die Baubewilligung zu erteilen.

Dann ging es aber zügig vorwärts. Simon und Monika haben sich, bis auf die Malerei, auf lokale Handwerker gestützt und können über die Zusammenarbeit mit ihnen nur rühmen.

Design & Space

Das Resultat kann sich sehen lassen! Genauso, wie die Aussenseite sehr detailgetreu renoviert wurde, ist auch im Innern ganze Arbeit geleistet worden. Sie haben selber angepackt und ungemein viel Zeit und Kraft investiert. Etliche Wände mussten neu gesetzt oder sogar ganz entfernt werden. Von den 6 Kachelöfen ist noch einer übrig geblieben, der jetzt im Wohnzimmer steht.

Dabei haben sie sich ganz auf ihren Geschmack verlassen und haben keinen Innenarchitekten beigezogen. Darum wiederspiegelt ihr Stil wohl viel vom Lebensgefühl dieser Generation, die bald am Drücker sein wird. Es gibt sehr viel Weiss, Licht und Platz. Natürlich wirkt im Moment alles noch ein wenig steril und fast zu schön, neu, eben.

 

Auffallend ist, wenn man herein kommt, die schwebende Treppe ins Obergeschoss. Ein wirklich beeindruckendes Element. Monika hat es im Internet entdeckt. Die Frau hat Sinn für Design. Das sieht man auch an der Lampe im Schlafzimmer. Dieses ist im Obergeschoss zusammen mit Gästezimmer, Dusche und Bad, und noch ein Zimmer, das wunderbar leer steht. Genial ist der begehbare Schrank mit der Schiebetüre auf den Balkon hinaus mit Blick ins Grüne.

Im Erdgeschoss kommt man zielstrebig am Arbeitszimmer vorbei in eine offene Wohnküche, die sich über die ganze Breite von acht Metern erstreckt. Die Küche ist ganz im strengen Stil gehalten, der mich sehr an Japan und Kaizen erinnert und in unserer Kultur nun sehr verbreitet ist, glatte grosse Oberflächen und relativ scharfe Kanten.

Es ist klar. Das ganze Unternehmen ist auf Langfristigkeit ausgelegt und die beiden wollen hier sesshaft werden. Sie schätzen aber auch Reisen in die weite Welt. Auf jeden Fall haben sie ein offenes Haus. Das beweist nicht nur diese Reportage.

Vermutlich wird das eine oder andere Wohnheftli mal noch vorbei schauen.

Wir wünschen euch auf jeden Fall ein wunderschönes Leben hier im Trub und auf der ganzen Welt.

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