Im Zusammenhang mit einer neuen Ausstellung im Archiv, wurde diesen Montag eine Holzstatue von Heinz Hofer geliefert.

Der Hochschwinger hat eine interessante Geschichte. Sie stellt Hans Ueli Beer dar. Dieser war neun Mal Schwingerkönig und hat von 1827 - 1907 gelebt. Eigentlich heisst er Johann Ulrich Beer. Er hatte solch riesige Kraft, dass er seinen Schwingpartner kurzerhand über sich heben, und mit einer eleganten Drehung auf den Rücken werfen konnte. Ueli wohnte in der Bachmatt und ist dann später nach Amerika ausgewandert. Die Geschichte ist auch auf der Schautafel "Beer" auf dem Familienplatz thematisiert.

Dort steht auch der Text von Karl Uetz zu Ueli Beer und dem Thema Hochschwung: «Hans Ueli ischt e föifjährige Stünggeler gsy, wo sie hingere züglet sy i die Bachmatt. Dert het er du speterane o ds Hanterch vo sym Drätti glert. Bachmatt Dani u syner Buebe hei die schönschte Nydlegebsi, Ankechüblen u Fuschter gmacht zäntume. We me hüt im ne Trueberspycher es äxtra gfelligs Holzbräntli oder öppen e bsungerbar schöngförmte Sirte Schruef atrifft, so darf me fasch wette, die Sach stammi no us Beersch Chüeferhüsli (Lehnegg). ... Es isch vilichtert nid ganz von ungefähr, dass Hans Ueli du o uf de Schwingplätzen e settigen Usbung im Schönschwingen isch worde. Mi söll ja vor ihm u siderhar dertdüre nüt so öppis gseh ha. D’Lüt sygi albe ganz us em Hüsli use cho, wenn er die sterchschte Gägner i der Luft ume gwürblet het.»

 

Uelis Hochschwung hat den Künstler Hugo Siegwart (1865 – 1983) dazu verleitet, eine Plastik herzustellen. Diese wurde an der 9. Internationalen Kunstausstellung 1905 in München präsentiert und prompt mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Die Stadt Luzern, in ihrem Selbstverständnis als eidg. Schwingerzentrum, wollte die Skulptur haben und hatte auch bald einen geeigneten Platz für sie gefunden. Doch die äusserst kraftvolle und maskuline Darstellung der Schwinger hat nicht allen gefallen und so lief die Kirche bald Sturm gegen das Objekt weiblicher Begierde und sammelte immerhin 2492 Unterschriften, um das Ding in ein verstaubtes Museum zu verdonnern. Doch der Plan gelang nicht, und als nach ein paar Jahren der Protest verebbte, wurde sie 1908 ohne Feier der Stadt Luzern übergeben. Erst 50 Jahre später hat sie dann ihren Platz, gerade hinter dem Bahnhof Luzern, auf dem Inseli, gefunden. Dort steht sie nun und darf unbehelligt ihr Testosteron versprühen.

Als ich Heinz Hofer den Auftrag für die Skulptur geben durfte, hat er natürlich gefragt, ob er sie mit oder ohne Hosen schaffen darf. Wir haben uns dann für eine voll bekleidete Version entschieden. Denn was würde aus dem Trub werden, wenn wir 12 Jahre nach dem Film der Herbstzeitlosen mit dem Dessous Laden, schon wieder eine Anzüglichkeit thematisieren würden?

Wir danken Heinz herzlich für diese Skulptur, die von ihm aus einem Baumstamm gefertigt wurde. Man kann deutlich sehen, dass der Spass, den er dabei hatte, auch auf den hölzernen Ueli hinüber gesprungen ist.

Sie kann nun bei der Sitzgruppe vor dem Archiv bewundert werden.

Hans Zaugg und ich werden uns weiter in das Thema "Schwingen" hinein arbeiten.

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